WEINEGGBAHN: die allererste
In der Geschichte und der Archäologie kommt es gelegentlich vor, dass man sich absolut sicher ist, den Ursprung einer zurückliegenden Zivilisation zu kennen, bis… Genau, bis neue Artefakte auftauchen und die bisherigen Annahmen über den Haufen werfen.
HIER, HIER, HIER, HIER und HIER habe ich anfangs Jahr über das Rollmaterial berichtet. HIER habe ich nicht die Wahrheit erzählt. Gelogen! Mir soll die Nase wachsen! Es gab nämlich eine Weineggbahn davor. Die jetzige Weineggbahn ist quasi ein Prequel dieser ersten Weineggbahn. Sollte für Leute wie mich, die mit Star Wars aufgewachsen sind, durchaus nachvollziehbar sein…
Wir schreiben das Jahr 1992. Ich habe gerade meine Grundausbildung abgeschlossen, die Rekrutenschule hinter mich gebracht und einige Monate auf dem Kopf gestanden. Das Letzte geschah in Australien, und weil die Erde rund ist, und wegen dem Ding mit der Gravitation, empfand ich damals nicht so, als dass ich mit dem Kopf nach unten unterwegs sei. Gut, sie fahren dort auf der linken Strassenseite, aber das tun sie auch in Grossbritannien und Irland, und die sind noch auf der gleichen Hemisphäre wie wir.
Der Gedanke eine eigene Privatbahn kam mir viel früher, und weil ich damals noch bei meinen Eltern in einem Stadtteil namens „Weinegg“ wohnte, war der Name meiner höchtseigenen und privaten Bahngesellschaft fast gegeben: „Weineggbahn“. Und weil wir uns anfangs der Neuzigerjahre bewegen, war sie eine waschechte Epoche IV-Bahn; spielte also zeitlich nach der heutigen Weineggbahn. Eben, Star Wars, Prequel und so.
Ich überlegte mir damals, wie die Weineggbahn optisch daherkommen könnte und entschied mich für ein helles Rot mit einem weissen Streifen. Das Signet ist einem Einfall auf meinen täglichen Fahrten mit Bus und S-Bahn quer durch Sydney entsprungen. Denn ein fast identisches Signet schmückte rund um Sydney Bahnen, Busse, Stationen und was sonst noch zu einem funktionierenden, öffentlichen Verkehrssystem gehört. Sogar die Fähren waren damit versehen.
Wieder zuhause begann ich im „Kinderzimmer“ der elterlichen Wohnung mit dem Bau von „Ur-Weinegg“, welches dann aber bald drastisch verkleinert werden musste, zog ich doch in die erste eigene Wohnung mit weniger Platz für einen Bahnhof.
Nichts desto trotz investierte ich gleichzeitig in Rollmaterial für meine Privatbahn: Lokomotiven, Personenwagen und Schienenbusse. Letztere sollten auch noch irgendwo im Keller sein; mal schauen, ob sie noch ansehnlich genug für einen Post sind. Dass es sich bei der einen Lokomotive um eine V65 handeln soll, scheint ja genauso klar zu sein, wie dass als Personenwagen Seetaler herhalten müssen. Gewisse Vorlieben wird man eben nie mehr los.
Bei Feather Products liess ich die beiden Seetaler und die Loks umlackieren; dieser ehemalige Fachhändler, der diesen Namen ohne wenn und aber verdiente, konnte mir auch die Decals im Corporate Design der Weineggbahn herstellen. Die Wagen haben allerdings im Laufe der Zeit einige Änderungen erfahren, so brachte ich nachträglich noch die Raucher-Nichtraucher-Pikogamme an, die Dächer wurden irgendwann silbergrau und die Untergestelle durch solche in einem helleren Farbton ersetzt. Und die Lok bekam einen Decoder verpasst.
Auch vierundzwanzig Jahre später stelle ich fest: mit der damaligen Weineggbahn ist mir vom Erscheinungsbild des Rollmaterials kein schlechter Wurf gelungen.

















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