Dampf ablassen.


Ökonomisch denken, das galt auch schon zur Zeit der ersten Bahnlinien und ganz speziell zur Zeit als die ersten Klein- und Nebenbahnen entstanden. Mit leichtem Oberbau und engen Kurvenradien liessen sich diese Strecken günstiger bauen. Das bedingte allerdings den Umständen angepasste Lokomotiven; wegen den engen Kurven und dem sparsamen Gleisbau mussten sie kurz und leicht sein. Die Geschwindigkeit war sekundär.


Klar, es gab auch zweiachsige Typen und solche mit vier und mehr Achsen, aber insgesamt setzten sich in Europa mehrheitlich sich dreifach gekuppelte Tenderlokomtiven durch. In der Schweiz beispielsweise das legendäre TIGERLI, in den Staaten, welche sich später zur Deutschland formierten, waren es unter anderem die PREUSSISCHEN T3, welche nicht nur in grosser Stückzahl gebaut wurden, es entstanden im Laufe der Zeit Varianten und Weiterentwicklungen davon. 


Es verwundert wenig, dass sich die Modellbahn-Industrie in allen Spurweiten dieser kleinen Universallokomtiven annahm, sind sie doch optisch süss, können sowohl vor Personen- und Güterzügen, als auch bei Werksbahnen eingesetzt werden, womit die Anzahl Varianten, welche aus einem Modell erzeugt werden können, recht gross ist. Ganz viele Informationen zu diesen Loks als Vorbild und Modell gibt es HIER.


Fleischmann hatte schon sehr früh ein Modell einer T3 in der Spurweite H0 im Programm, welches allerdings den damals verfügten Elektromotoren angepasst werden musste, wodurch die Vorbildlichkeit litt.

Wenn meine Recherchen stimmen, müsste Fleischmann rund 1989 ein ansehnliches und weitgehend vorbildlich Modell einer preussischen T3 als Epoche III-Version auf den Markt gebracht haben. Und wie bei Fleischmann-Modellen aus dieser Zeit üblich, ist am Formenbau nichts auszusetzen: scharfe Kanten und die angesetzten Zurüstteile halten ohne einen einzigen Tropfen Klebstoff am Modell. Der Kunststoff ist alterungsbeständig, und die Beschriftungen der Modelle sind auch in kleinen Details leserlich und stimmig. Dass ich nicht als Einziger von den Qualität des fast vierzigjährigen Modells überzeugt bin, bestätigte die Tatsache, dass Roco hin und wieder Modelle aus exakt diesen Formen heutzutage noch auflegt, welche zwischenzeitlich einmal mit NEM-Schächten und Kinematiken ergänzt wurden.


Nach so viel Lob, verwundert es kaum, dass sich auch zwei T3 von Fleischmann bei mir zuhause sind. Beim einen Modell handelt es sich um jenes, welches einer dreiachsigen Lokomotive der Württembergischen Nebenbahnen Actien-Gesellschaft nachgebildet wurde. Es wurde 1989 zu einem Jubiläum aufgelegt und war sowohl in einem Set mit farblich passenden Wagen, als auch solo angeboten. Ob die W.N. tatsächlich eine Lok mit der Nummer 2 besass, die exakt dem Modell entspricht, ist mir persönlich piepegal. Das Modell ist optisch ansprechend und passt in mein Sammelsurium.


2010 versuchte sich Fleischmann auf dem italienischen Markt und erschuf drei verschiedene T3, welche italienischen Vorbildern sehr nahe kommen: ein Modell nach Vorbild bei den FS, ein Modell nach einer Lok bei der Società Veneta (vielen vielleicht aus den wunderschönen Don Camillo & Peppone-Filmen mit Fernadel und Gino Cervi in den Hauptrollen bekannt), und eines einer EA 11 von der Hafenbahn des Porto di Savona.


Screenshot aus einem aus einem Don Camillo & Pepone-Film: Società Veneta wahrscheinlich 324. Eigentlich hat Fleischmann nicht die exakte Lok aus dem Film umgesetzt.

Letztes - fast ganz in schwarz mit roten Pufferbohlen und Rädern - machte auf mich den „Schweizerischsten Eindruck“ und wurde umgehend bestellt. Während mir mein Modell der W.N. 2 mit dem vielen Grün und all dem goldenen Leitungs-Firlefanz etwas zu psychedelisch-bunt daherkam, war die italienische EA 11 wiederum sehr trist. Dank Fleischmanns genialem Formenbau war es ein Leichtes einige goldige Leitungen der bunten Württembergin mit denen der melancholischen Italienerin auszutauschen. Meiner Meinung nach haben beide optisch gewonnen.


Und weil ich im Fundus noch zwei Lokschilder mit der passenden Nummer 11 herumliegen hatte, wurde aus der EA 11 von Porte di Savona die EA 11 der Weineggbahn. Herr K. aus Z. hat sie mir einmal noch mit einem DCC-Decoder ausstaffiert, womit dem Museumsbahn-Betrieb auf meiner Weineggbahn nichts mehr im Wege stünde.


Die W.N. 2 kommt auch hin und wieder zu Ehren, wenn ich sie vor einen Zug aus meiner inzwischen recht umfangreichen Sammlung aus mehr oder weniger vorbildlichen rot-beigen Personenwagen setzte.






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