Leichstahler auf Italienisch.
Nein, das wird kein Italienisch-Sprachkurs kurz vor den Sommerferien. Es geht um das Modell eines Personenwagens Schweizerischer Provenienz, der sich, zusammen mit Artgenossen, auf seine alten Tage nach Italien aufmachte.
Der Schweizerischen Rollmaterialidustrie schien mit den LEICHTSTAHLWAGEN in den Dreissigern des vergangenen Jahrhunderts ein guter Wurf gelungen zu sein, waren sie nicht nur bis vor wenigen Jahren schweizweit noch in Fahrplanzügen unterwegs, es wurden auch leicht abgewandelte Varianten ins Ausland exportiert, beispielsweise nach PORTUGAL. Einige Leichtstahler gelangten gebraucht nach Österreich und in ansehnlicher Stückzahl nach Bella Italia. In Italien wurden sie bei diversen Privatbahnen im Norden des Landes eingesetzt.
Die Modelle der Leichtstahlwagen von Liliput können inzwischen das Prädikat „legendär“ durchaus in Anspruch nehmen, wurden sie nicht nur vor Jahrzehnten in einer Art und Weise auf den Markt gebracht, die sie noch heute mit zeitgenössischen Modellen mithalten lässt, sie überdauerten auch alle Hoch und Tiefs dieser einst österreichischen Modellbahnmarke, und sie gelangen ab und zu wieder in leicht überarbeiteten Ausführungen auf den Markt.
Dass man mit den bunten Leichtstahlwagen zumindest bei den italienischen Modellbahnern Begehrlichkeiten wecken kann, war man sich schon in Liliputs österreichischer Vergangenheit bewusst, und legte alle erdenklichen Farbvarianten auf.
Bei Privafbahnen am oberen Ende des Schafts des italienischen Stiefels blieb die Zeit nicht stehen, und so erfuhren einige Leichtstahlwagen ein farbliches Update, was Liliput - nun in China produzierend - wiederum dazu verleitete erneut Leichtstahlwagen auf Italienisch in den neuesten Trendfarben auf den Markt zu bringen. Und davon handelt dieser Post, jedenfalls von einem Modell dieses Efforts.
Wobei dazu noch einige Anmerkungen notwendig sind: die Società Nazionale Ferrovie e Tranvie (SNFT) eröffnete - neben einigen anderen Bahn- und Tramlinien in Italien - anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts eine Bahnlinie von Brescia dem Lago di Iseo entlang in die Alpen nach Edolo. Die Strecke ist übrigens äusserst bereisenswert und hatte einmal am Lago di Iseo eine Fährverbindung für normalspurige Eisenbahnwagen zu einem Stahlwerk auf der anderen Seeseite. Die SNFT besorgte sich im Laufe der Zeit ebenfalls Leichtstahlwagen gebraucht aus der Schweiz und pinselte diese in einer schönen gelb-orangeroten Farbkombination an. Davon gibt es meines Wissens Modelle von Liliput Österreich.
Wenn ich den italienischen Wikipedia-Eintrag richtig verstanden habe, ging die 1993 SNFT in der Ferrovie Nord Milano auf und glich das Erscheinungsbild ihres Rollmaterials demjenigen der FNM an. Auch die Leichtstahlwagen wurden farblich entsprechend ihren Leichtstahlwagen-Brüdern angepasst, welche schon bei der FNM nördlich von Milano unterwegs waren.
Warum ich weiss, dass das Vorbild meines Modells zwischen Brescia und Edolo eingesetzt wurde? Die Ferrovie Nord Milano hatte ursprünglich nur Leichtstahlwagen mit den Türen in den Drittelspunkten der Wagen; die SNFT ausschliesslich solche mit Türen in der Wagenmitte. Ich glaube es gab von Liliput auch noch ein Set mit mehreren Leichtstahlwagen in diesem Farbschema, wahrscheinlich auch mit Zweite-Klasse-Wagen; und zur farblich passenden Diesellok werde ich später in einem anderen Post berichten. Die zahlreichen Dieseltriebwagen der SNFT gibt und gab es auch von diversen Produzenten als Modelle im Massstab 1:87. Wäre eigentlich ein spannendes Thema zum Sammeln…
















Kommentare
Kommentar veröffentlichen