Es kommen vielleicht harsche Zeiten
Wenn man DIESEM LINK Glauben schenken darf, wird’s diesen Winter kalt und weiss; bis heute war es bestenfalls kalt. Ich hoffe allerdings, dass es in Weinegg im Modellbahnzimmer in jedem Fall trocken, warm, kuschelig und vornehmlich grün bleibt. Trotzdem habe ich meine Schneeschleuder schon einmal hervorgeholt. Man weiss ja nie.
Mir stellte sich dabei unweigerlich eine Frage: warum produziert Roco eigentlich eine ausgewachsene Schneeschleuder für Modellbahnen, wenn wahrscheinlich der Anteil von Modellbahnen mit Winterthema im tiefen einstelligen Prozentbereich liegen dürfte, und das Modell zeitlebens eine kleine Nebenrolle auf den allermeisten Modellbahnen einnehmen wird? All seine digital ansteuerbaren Funktionen in diesem Gehäuse unterzubringen, dürfte äusserst aufwändig und dadurch auch nicht ganz günstig zu konstruieren gewesen sein.
Gottseidank sind die Productmanager und Marktforscher dieser Frage nicht ernsthaft nachgegangen, oder sind dabei zum Schluss gekommen, dass es genug Kunden wie mich geben dürfte. Darum schuf man dieses exquisite Modell einer Schneeschleuder, welche die SBB 1982 in doppelter Ausführung gekauft hatte, um den damals nicht selten auftretenden grossen Schneemengen im Winterhalbjahr am Gotthard Herr zu werden. Das Prädikat „exquisit“ hat dieses Modell durchaus verdient und sein Erwerb war - und ist - denn auch mit der entsprechend monetären Gegenleistung verbunden.
Für das Geld erhält man allerdings dann auch ein kleines Wunderwerk digitaler Möglichkeiten:
- das Modell fährt selbstständig, wie sein Vorbild (nicht alle derartigen Schneeschleudern sind selbstfahrend und müssen von einer Lokomotive geschoben werden);
- damit die riesigen Schaufelräder jederzeit beispielsweise gegen die Lawine zeigen, kann sich der Oberbau, samt Führerstand, Maschinenanlagen und Schaufelräder vorbildlich um die eigene Achse drehen. Man braucht dazu allerdings links und rechts des Gleises einiges an Platz ohne Oberleitungsmasten, Weichenlaternen und Preisermännchen.
- Schaufelräder können gehoben und gesenkt werden und drehen selbstverständlich;
- Zudem gibt es unzählige diverse Lämpchen, die in allen erdenklichen Varianten auf der abgedunkelten Anlage für vorbildgerechte Romantik sorgen.
All diese Technik mit den diversen Motörchen: Ein mehr als geniales Spielzeug, dass ich damals unbedingt haben musste. Passt es irgendwie in meine restliche Sammlung? Wenig bis gar nicht. Aber spielt das eine Rolle? Nein, es spielt sich sonst sehr vergnügt damit. Inzwischen hat Roco noch einige nicht mehr ganz so vorbildliche Farbvarianten auf den Markt gebracht. Wer will es verübeln? Wenn sich das Modell so verkaufen lässt, nur zu. Die norwegische Version wäre die vorbildlichste, weichen diese Schneeschleudern doch nur in wenigen Details von den ab, die von den SBB damals bei Beilhack in Rosenheim beschafft wurden.
Auch bezüglich Lackierung und Beschriftung hat man hier meiner Meinung nach in jeder Hinsicht ein Masterpiece kreiert. Eigentlich schade, dass es im normalen Modellbahnalltag fast keine Aufgaben hat, denn um die allermeiste Zeit nur auf einem Abstellgleis herumzulungern - wie sein Vorbild übrigens auch - ist es eigentlich viel zu schön. Und wäre zu teuer, wenn wir nach marktwirtschaftlichen Kriterien handeln würden. Was wir ja glücklicherweise generell nicht machen.
Beim Verfassen dieser Zeilen habe ich übrigens etwas weltbewegendes dazugelernt: den Unterschied zwischen einer Schneeschleuder und einer Schneefräse. Bei der Schneeschleuder dreht das Rad im rechten Winkel zum Hindernis, oder zu den eigenen Achsen wie bei der Xrotm hier. Bei einer Schneefräse dreht sich das Rad, parallel zu den eigenen Achsen. HIER kann man übrigens alles zum Vorbild sehr detailliert nachlesen.










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