Im Mittleren Westen
Was der Mittlere Westen für Nordamerika ist, ist wahrscheinlich die Gegend rund um Olten für die Schweiz: Autobahnen und Eisenbahn-Linien welche die wirtschaftlichen Zentren verbinden. Und dort fand am vergangenen Wochenende - wie passend - die „American Rail Convention“ statt.
Manche Jahre zogen ins Land, seit die letzte ähnliche Veranstaltung in Adliswil, in den Outskirts von Zürich über die Bühne ging. Und was waren das jeweils für Veranstaltungen! Anlagen vom Feinsten aus ganz Europa und Händler mit Dingen, die man sonst selten zu sehen bekam.
Natürlich wurde auch der amerikanische Way of Life zelebriert; was damals gesellschaftlich noch tolerabel war.
Der Flyer und die Informationen auf der Website sahen jedoch vielversprechend aus: viele Anlagen in diversen Massstäben und einige Händler.
Auch wenn Neuendorf im Zentrum der Schweiz liegt, ist die Anfahrt per Bahn und Bus mit langen Wartezeiten unterwegs verbunden. Ob man deswegen nicht mit bahnfahrenden Publikum gerechnet hat, und man es darum unterliess auf allen Busstationen beim Veranstaltungsort entsprechenden Wegweiser anzubringen?
Gut, dass es Modellbahnen in grossen Massstäben gibt, so konnte man die lokale Sporthalle schneller füllen. Es hatte durchaus Grossspuriges, dass zu gefallen wusste. Beispielsweise eine Waldbahn-Ablage im LGB-Massstab mit funktionierenden Holzverlade-Kräne. Whow!
Sonst habe ich bei Modellbahnen mit grossen Spuren oft ein Problem: Weshalb enden die Möglichkeiten der Detaillierung unterhalb der Drehgestelle? Die grossen Spuren würden doch so viele Möglichkeiten bieten, bezüglich Detailierung, Alterung und was coolen Modellbau sonst noch ausmacht. Eine grosse Diesellok mit Sound hat durchaus ihren Reiz, mir fehlt aber zu oft das passende Ambiente rundherum, das natürliche Habitat sozusagen.
Am anderen Ende der Skala sieht es nicht besser aus. Eine Modelleisenbahn - oder entsprechende Module - werden niemals fertig, das ist ein Naturgesetz! Weshalb die N-Trak-Module in Neuendorf noch genau so aussehen, wie jene die ich schon vor zwanzig Jahren sah, verwundert mich dann allerdings schon.
Fertig mit der Polemik! Es gab durchaus auch Ansehnliches an dieser Convention. Da waren beispielsweise diese H0n3-Module. Sauschön und nicht überladen. Mit vielen kleine Details, die Geschichten erzählen. So viele Geschichten, dass ich mit den Bildern dieses Arrangements fast einen ganzen Post illustrieren kann.
Der Amerikanismus hielt sich glücklicherweise in Grenzen; zu viele Koboi-Hüte, Stiefel und Flaggen hätte ich angesichts der derzeitigen Entwicklungen im „Land of the Free“ und dessen derzeitigem Umgang mit „Friends“ als eher unangebracht empfunden.
Ich verliess ich die Veranstaltung nach rund einer Stunde etwas enttäuscht. Auch wenn ich nicht damit gerechnet habe, eine Wiederauflage von „Adliswil“ zu besuchen, sorry, liebe Veranstalter, Eure Convention wurde meinen Erwartungen bezüglich der Qualität der Exponate nicht gerecht.



















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