Auf der anderen Seite des Röstigrabens

Der Röstigraben - mehr oder weniger der Verlauf der Saane - trennt den Teil der Schweiz in den deutschsprachigen Teil und die Romandie, wo man sich auf französisch unterhält. Und auf der westlichen, französischsprachigen Seite des Röstigrabens befindet sich die Stadt Fribourg, wo sich meiner Meinung nach eine der schönsten Modellbahnanlagen befindet: Der Kaeserberg, den ich HIER schon einmal beschrieben habe. Am ersten Mai-Wochenende beschränkte man sich dort nicht nur darauf, die eigene Anlage dem geneigten Publikum zu präsentieren, man präsentierte in Kooperation ganz viele, ganz schöne, kleine Modellbahn-Anlagen und Dioramen. Ein Grund für Herr K. aus Z. und mich ins Welschland zu fahren.

Der Hauptgrund war eine kleine, unscheinbare Anlage, die doch nicht so unscheinbar ist, dass sie mir noch nie begegnet wäre. Alan Jockmans Anlage begegnete mir schon einige Male im Internet, und sobald ich mitbekam, dass „Sehr-am-Üzant“ im Kaeserberg ausgestellt wird, habe ich mir das Datum dieser Veranstaltung gross und farbig im Kalender angestrichen.







Der Teufel liegt bekanntlich im Detail. Anders kann ich diese Anlage nicht kommentieren: ganz einfacher Gleisplan mit simpler Station auf der rechten Seite, und solange ich heute vor Ort war, drehte „nur“ ein Dampftriebwagen seine Runden. Aber was für ein fantastisches Modell eines Dampftriebwagens! Und alles von der kleinen Stadt links, über den Bach mit der Bahnbrücke bis zum Wäldchen, in dem der Dampftriebwagen auf seinen Runden verschwindet, um dann aus dem Tunnel links unter der Stadt wieder aufzutauchen, stimmt in jeder Hinsicht: Detailierung, Farbgebung, Aufbau des Ganzen. Einfach perfekt.


Die Auswahl der Anlagen war an dieser Ausstellung überproportional frankophon, was mich aber weiter nicht störte, gibt es doch aus dieser Gegend Europas immer wieder schöne Anlagen und Dioramen zu entdecken. In diesem Fall ein kleiner Bahnhof an einer Schmalspurbahn in Frankreich, der neben zwei typisch französischen Dieseltriebwagen, von einer Kastendampflok deutscher Provenienz belebte wurde, die entweder mit einem Güterzug, oder vor Personenwagen ihre Runde drehte. 








Hachimette ist meiner Meinung nach der Beweis: weniger ist oft mehr. Und es war nicht das einzige Exponat an dieser Expo, das nach diesem Grundsatz erbaut wurde.


Seulement français? Pas du tout! Try Gulch spielt irgendwo in Colorado, und besteht aus wenigen, aber  umso stimmigeren Szenen. Wieder alles aus einem Guss.






Gleich neben Try Gulch wurde bewiesen, dass man auch auf kleiner Grundfläche nicht unbedingt nur „weniger ist mehr“ umsetzen kann. Im Fischerstädtchen „Sweetheaven“ geht es zu wie auf einem Ameisenhaufen und auf zehn Quadratzentimetern wurden bestimmt zehn Geschichten erzählt. 


Ob sich Popey und Brutus um Olivia prügeln? „Nomen est omen“ gilt für Sweetheaven nur bedingt. Und Olivia habe ich nirgends entdecken können; ich bin sicher, dass sie irgendwo in Sweetheaven zugegen ist.












Spanien! Sommerferien! Oben links ein Olivenhain, vorne riecht es nach Meer und auf dem Marktplatz steigen bestimmt diverse andere Gerüche in die Nase. Und den süsslich-öligen Geruch der Dampflok hinten rechts bleibt bestimmt auch in Erinnerung.






Ackle strikes again. Diesmal in HOe. Ihr kennt wahrscheinlich alle Marcel Ackles Schaukästen voller detailgetreuer Dinge in einem Finish, der einem das Wasser im Mund zusammen laufen lässt?


In Fribourg machte machte Marcel Ackle mit einer Holzbrücke über einen Bach die Aufwartung. Nur eine Holzbrücke und darauf ein Zug aus Loren mit einem kleinen Diesel davor. Bei seinen Werken spielt die Bahn nur eine Nebenrolle in einem grösseren Ganzen. In diesem Fall einem grandiosen Ganzen.






Das nächste Exponat heisst „Bouy-à-Bèze“, was man gleich wie „Bouillabaisse“ ausspricht. Mit der Fischsuppe habe ich es nicht so, mit dem fiktiven Ort an der französischen Atlantikküste mit seiner Schmalspurbahn kann ich mich hingegen sehr gut anfreunden.


Ich glaube, es war die grösste Anlage auf dieser Ausstellung, trotzdem ebenfalls von erster Qualität und so, wie es meiner Meinung sein sollte. So, wie ich es gerne könnte…







Es gab noch einiges mehr zu sehen, neben den hier präsentierten Exponaten. Und ich will keinesfalls behaupten, dass die restlichen Werke von schlechterer Qualität gewesen sind. Ich musste mich aufgrund der riesigen Auswahl ganz einfach beschränken, was wiederum viel über diese Veranstaltung aussagt. Ganz herzlichen Dank an die Aussteller und die Organisatoren, es hat wieder riesig Spass gemacht, eine Eurer Ausstellungen zu besuchen. 
Merci beaucop et à bientôt!

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