Freitag, 21. August 2020

Seetalwagen re-reloaded

Warum sich mehrere Modellbahn-Produzenten auf Modelle der Seetaler gestürzt haben, ist für mich schleierhaft, wurden die Vorbilder dieser Wagen einerseits in überblickbarer Stückzahl hergestellt, und ihr Einsatzgebiet war auch eher unbekannt. Wie dem auch sei, mich freut‘s jedenfalls.

Neben den Modellen von Roco, die ich im vorherigen Beitrag vorgestellt habe, hat sich in H0 auch Fleichmann dieses Vorbilds angenommen. Dies allerdings Dekaden vor Roco, was sich auch in der Modellumsetzung manifestiert: sie entsprechen im Längenmassstab definitiv nicht 1:87, wohl eher etwas um 1:100, und in der Breite hat Fleischmann den damaligen „Hausmassstab“ von 1:85 gewählt. 

Und etwas zu hochbeinig kommt er auch daher. Nichtsdestotrotz ist es ein Seetaler. Im Gegensatz zu Roco hat Fleischmann sogar die Nietenreihen auf dem Dach nachgebildet, und die Fronten der Dächer über den Plattformen sind der Ausführung „frisch ab Waggonsfabrik Schlieren“ nachgebildet. 

Alles in allem eine für die damalige Zeit sehr ansehnliche Umsetzung. Als ich meinen ersten Fleischmann-Katalog in die Finger bekam, waren diese Wagen nicht mehr im Programm; wären sie es gewesen, sie hätten weit oben auf meiner Wunschliste gestanden.


Sonntag, 5. Juli 2020

Seetalwagen reloaded

Mein alter Post in diesem Blog zum Thema „Seetalwagen“ ist der mit Abstand am meisten besuchte Eintrag. Darum habe ich mir gedacht, ich könnte doch einmal einen Reload mit einigen Ergänzungen veröffentlichen.
Somit: Bühne frei!



Vorbild 

Die Vorbilder dieser Wagen wurden in den Nachkriegsjahren durch die SBB bei der damaligen Waggonsfabrik Schlieren in Auftrag gegeben. Wahrscheinlich mehr aus finanzpolitischen Gründen wurden für die Rahmen Metallträger alter Wagen verwendet, denn alle anderen Komponenten wurden neu hergestellt, die Drehgestelle wurden sogar speziell für diese Wagen entwickelt.


In dieser Zeitepoche hatten die SBB noch etliche, sehr leicht gebaute Personenwagen, die zum Teil noch von ihren Vorgänger-Bahnen stammten und unisono Holzkästen mit Verblechung aufwiesen, u.a. so, wie dieses Modell. Es stammt vom Modellbaustudio Born.


Dass mit solchem Rollmaterial kein Staat zu machen ist, war klar. Allerdings hatten die leichten und kurzen Wagen auch den Vorteil, dass sie auf steilen Strecken mit engen Kurvenradien die Triebfahrzeuge nicht  zu sehr beanspruchten, sowohl bergauf, als auch bergab beim Bremsen.
Eine dieser Strecke mit besonderem Streckenprofil ist die sogenannte Seetalbahn, damals noch von Wildegg an der Strecke Bern - Zürich über Lenzburg den beiden namensgebenden Seen Hallwiler- und Baldeggersee entlang nach Emmenbrücke und weiter nach Luzern führt. Um beim Bau der Strecke die Ausgaben klein halten zu können, wurde sie weitgehend neben der Hauptstrasse angelegt und folgt auch deren Topographie; ein munteres rauf und runter mit vielen engen Kurven. Dort wurden u.a. eben auch diese leichten und nicht mehr zeitgemässen Personenwagen eingesetzt.

Um nicht nur auf Hauptachsen dem Publikum einen angemessenen Komfort anbieten zu können, und eben auch, um ein Teil des veralteten Rollmaterials nicht mehr einsetzen zu müssen, erhielt die SBB 1947 zwanzig Wagen dritter Klasse (C4) und eine gleiche Anzahl gemischtklassige Wagen mit zweiter und dritter Klasse (BC4). Weil sie anfänglich grösstenteils auf der Seetalbahn eingesetzt wurden, nannte man sie rasch Seetaler oder Seetalwagen.

Ausser auf der Seetallinie wurde diese Wagen auch auf anderen Strecken eingesetzt. Mir sind Bilder aus dem Jura, der Ostschweiz und sogar aus dem Tessin bekannt.


Im Gegensatz zu den allermeisten Wagen aus dieser Zeit wiesen die mehrbesseren Abteile ebenfalls eine 2+2-Bestuhlung auf; normalerweise gönnte man den Erstklasspassagieren mehr Sitzflächen und beschränkte die Bestuhlung auf 1+2. Im BC4, später ABi, hatten diesen Fahrgästen nur mehr Platz für die Beine, nicht aber für’s Gesäss. Damit diese Bestuhlung passte, aber auch um gleichzeitig dem Erstklasspubikum Raucher- und Nichtraucherplätze anbieten zu können, weisst das Ersteklasseabteil in der Mitte zwei kleinere Fenster auf.
Die Wagen wurden bei der Klassenreform 1956 zu Zweit- und Erst-Zweitklasse-Wagen umgezeichnet: Bi und ABi.


Mit der Zeit zeigte sich, dass diese Wagen mit ihren offenen Plattformen und der „Sparheizung“ speziell im Winter nicht optimal waren. Nachdem die Einsatzpläne geändert wurden, bestand zudem ein Überhang an ABi. Dadurch konnten Privatbahnen günstig Seetaler des Typs ABi bei den SBB erstehen. So gelangten drei Einheiten zur Oensingen - Balsthal - Bahn, zwei Einheiten zur Südostbahn und ein Wagen zur Rorschach - Heiden - Bahn. Die Wagen der OeBB wurden sofort in Bi umgezeichnet und erhielten eine neue, etwas abweichende Möbelierung im ehemaligen Erstklassabteil. Die SOB setzte sie noch einige Zeit als ABi ein, deklassierte sie später zu Bi, ohne Änderungen am Ersteklasseabteil vorzunehmen. Der Wagen, der auf die Zahnradbahn vom Bodensee nach Heiden verkauft wurde, behielt sein originales Ersteklasse-Abteil bis zum Schluss. Leider wurde dieses ausgebaut und vernichtet, als er bei der  Historischen Seethalbahn asbestsaniert wurde.

Ausser je einem späteren ABi und einem Bi, die direkt an die Chemin de fer Vallee de Joux geliefert wurden, hatte keine andere Privtbahn fabrikneue „Seetaler“ erhalten. Es gab und gibt zwar bei diversen Privatbahnen ganz ähnliche Wagen, diese weisen aber zu viele Unterschiede bei den Wagenkasten und Drehgestellen auf, um sie als Seetalwagen bezeichnen zu können. (Abbildung unten.) Diese wurden zum Teil auch von anderen Herstellern gefertigt.


Basierend auf den originalen Seetalern wurden aber fünf Wagen abgeleitet, die als Ergänzung zu den Roten Pfeilen beschafft und schliesslich ebenfalls teilweise im Seetal eingesetzt wurden: die ABDi und die ABD. Diese sind allerdings einiges länger als die Seetalwagen und weisen, wie die Bezeichnung aussagt, neben Plätzen erster und zweiter Klasse, zusätzlich einen Gepäckraum auf. Einige dieser Wagen weisen auch keine offenen Plattformen auf, was sich im fehlenden „i“ manifestiert. Sie wurden ebenfalls in Schlieren gefertigt.
Zwei dieser Wagen, je einer mit und einer ohne offene Plattform wurden später an die Südostbahn verkauft. Hier als Modell von Rail-Top.


Um Bestand an zeitgemässem Rollmaterial steigern zu können, wurden in den SBB- Zentralwerkstätten von Zürich in dieser Zeit auf die Rahmen ausgedienter Wagen neue Kästen aufgesetzt. Diese weisen teilweise eine ähnliche Formensprache auf, sind allerdings um ein Vielfaches schwerer, länger und höher. Pro Wagenseite weisen sie auch elf statt neun Fenster auf. Definitiv keine Seetaler.

 (Ähnlicher Wagen in Meterspurversion der Berneroberland-Bahnen, heute bei der Brohltalbahn.)

Mit der Einführung des Taktfahrplans in der gesamten Schweiz im Jahr 1982 wurden alle Seetaler bei den SBB aus dem Personenverkehr zurückgezogen; einige gelangten zu Museumsbahnen in der Schweiz, in Holland und in Frankreich, andere wurden zu Dienstwagen umgebaut oder verschrottet. Heute werden sie nur noch bei Museumsbahnen eingesetzt.
In den Nachkriegsjahren wurde Asbest bevorzugt als Isolationsschichten im Bau- und Rollmaterialgewerbe eingesetzt, auch in den Seetalern. Aus diesem Grund ist eine Aufarbeitung der noch vorhanden Wagen recht kostenintensiv, muss doch von rechtswegen und zurecht die Asbestisolation für viel Geld entfernt werden.


Modelle in H0

Wer zuerst Modelle der Seetalwagen als H0-Modell auf den Markt brache, weiss ich nicht. Jedenfalls gibt und gab es sein Jahrzehnten Modelle von Fleischmann aus Nürnberg und von Kleinbahn aus Wien.
Für meinen Geschmack hat Kleinbahn für die damalige Zeit die Proportionen recht gut getroffen, auch wenn die Modelle in einem Massstab jenseits von 1:87 hergestellt werden und schon damals recht preisgünstig angeboten wurden.
Die Kleinbahn-Modelle werden nach wie vor über den eigenen Vertrieb verkauft. Ich frage mich gerade, warum ich eigentlich keine dieser Wagen in meiner Sammlung habe? Je ein ABi und ein Bi müssten eigentlich schon sein, nur schon um diesen Post zu vervollständigen...

Fleischmann hatte vor meiner Infizierung mit dem Modellbahnvirus (Covid-1:87 ?) ebenfalls Wagen im Angebot, die Seetaler als Vorbild hatten. Diese waren meiner Meinung nach aber optisch näher bei den Wagen, welche die SBB selber mit neuen Wagenkasten ausgestattet haben; sie sind recht hochbeinig und mit ihrem Massstab von ca. 1:85 geben sie die zierlichen Seetaler schlecht wieder.
Die Modelle von Fleischmann gab es in allen erdenklichen Farbvarianten, von SBB über Dienstwagen bis zur Fleischmann-eigenen Privatbahn, der Edelweiss-Lokalbahn. Ich habe auch schon Bilder von originalen Fleischmann-Wagen als Modelle der Schwedischen Staatsbahnen gesehen. Diese Modelle wurden aber allesamt aus den Programm geworfen, bevor ich mir den ersten Katalog erstehen konnte.

Roco hat die Modelle in der ersten Hälfte der 1980er Jahre ins Programm aufgenommen. Meines Wissens geschah dies auf Anregungen des damaligen Importeurs, dem wir das eine oder andere schöne Roco-Modell nach Schweizer Vorbild verdanken. (Über die menschlichen Qualitäten dieser Person sagt dies allerdings nichts aus.)
Die Modelle waren bei Ihrem Erscheinen das non plus ultra. Sie weisen sehr dünne Seitenwände auf mit wunderbar passenden Fenstern und sind seit Anbeginn mit Normschächten sowie Kurzkupplungskinematiken ausgerüstet. Ausserdem sind sie für den relativ simplen Einbau einer Innenbeleuchtung vorbereitet.
Allerdings sind die Kurzkupplungskinematiken etwas lotterig, und der Wagen tendiert im Bereich der offenen Plattformen zur Banane. Das Anbringen der siebentausend Zurüstteilen ist schon seit Anbeginn des Seetaler-Zeitalters eine mühsame Angelegenheit. Was sich übrigens im Laufe der Zeit durch die abgenutzten Gussformen nicht zum Besseren geändert hat. Nicht selten sieht man sie daher ohne Zurüstteile ihre Runden drehen.
Das grösste Versäumnis bei diesen Wagen: man hat auf die querlaufenden Nientenbändern auf den Dächern verzichtet. Rail-Top hat diese bei seinen ABDi vorbildlich nachgebildet, auch deren Drehgestelle wären näher beim Original. Trotzdem sind es meiner Meinung nach immer noch schöne, zeitgemässe Modelle, wenn man über die kleinen beschrieben Macken hinwegsieht.

Von den Vorbildern im SBB-Erscheinungsbild gibt und gab es von Roco über diesen langen Zeitraum der Produktion alle nur erdenklichen Epochen- und Nummernvarianten. Da ich bekanntlich eher Privatbahnen zugetan bin, besitze ich nur eine recht übersichtliche Anzahl an SBB-Varianten. Zum Beispiel diese beiden aus der Epoche IV, je ein Bi und ein ABi.



Meines Wissens die ersten Modelle von Privatbahnwagen, welche von Roco selbst hergestellt wurden, waren zwei Bi der Oensingen - Balsthal - Bahn, die exklusiv für einen Festanlass in Balsthal hergestellt wurden. Ich war einmal stolzer Besitzer beider Wagen mit unterschiedlichen Nummern, habe dann allerdings einen in einer Phase geistiger Umnachtung verkauft. (grrrrr!...) Bei diesem Modellen wurden noch Zuglaufschilder mit den Zielen Oensingen und Balsthal beigegeben.


Einige Jahre später wurde von Roco über die üblichen Vertriebskanäle die dritte Nummer der drei OeBB-Seetaler angeboten. Dieser hat auch eine etwas andere Beschriftung, wie es das Vorbild im Rahmen einer Revision erhalten hatte.


Ob von den Modellen nach Vorbild der Südostbahn wie beim Vorbild zwei Nummern hergestellt wurden, weiss ich nicht. Ich hab‘ nur dieses hier. Als ABi dürften keine hergestellt worden sein. Eigentlich schade, ergäbe sich dadurch doch ein nettes Züglein...


Wie weiter oben geschrieben bekam die Chemin de fer Vallee de Joux im Jura als einzige Privatbahn je einen ABi und einen Bi (damals BC4 und C4) fabrikneu.




Während der ABi stehts sein grünes Mäntelchen behalten hat (heute ist er bei der Museumsbahn im Vallee de Joux ist er wahrscheinlich etwas bunter), wurde der Bi einmal frisch gestrichen und dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend beschriftet. Roco hat sich dieses Farbschemas ebenfalls angenommen.


Und dann war da ja noch der ABi der Rorschach - Heiden - Bergbahn. Dieser wurde immer in diesem meiner Meinung nach wunderschönen Rotton eingesetzt.


Schade, dass es kein weiteres Rollmaterial als Grossserien-Modelle dieser rührigen Bahngesellschaft gibt. Als Farbvariante wären zum Beilspiel der Einheitswagen I oder Wagen auf Basis des B2 von Liliput denkbar. Aber wir sind ja Modellbauer und nicht Modellkäufer. Mal sehen, ob sich da bei mir in der fernen Zukunft...Wenn dann alle anderen Projekte... Ihr wisst schon... 😉

Dieser Wagen wurde an den Verein Historische Seethalbahn weitergegeben, die ihn im Innern leider ausgeräumt und zum Barwagen umgebaut hat. Auf einem Bahnhofsfest wurden solche Modelle verkauft, welche angeblich von Roco produziert wurden. Eines ist jetzt bei mir. Eigentlich habe ich gehofft, ich könnte die Beschriftung entfernen, und diesen als nicht vorbildliche Ergänzung zum RHB-Wagen einsetzen. Leider geht die Beschriftung mit meiner Methode nicht weg; also bleibt der Wagen, wie er ist. Zur Zeit auch noch  nicht zugerüstet.


Neben den hier vorgestellten Wagen, die alle von Roco selbst produziert wurden, gibt es auch noch andere Farbvarianten auf der Basis von Roco-Modellen. Ich denke da beispielsweise an solche von Ruco oder Wabu. Von diesen habe ich keine (mehr) in meiner Sammlung.

Weinegg ich schon immer ein Faible für diese Wagen hatte, im Original, als auch als Modell, besitzt die Weineggbahn natürlich auch Seetaler. Diese gibt und gab es nicht zu kaufen, die gibt es nur im „Weineggbahn-Universum.“


Hier der in der aktuellen Epoche III-Lackierung. Die zwei Wagen in der Epoche IV-Lackierung spielen im wahrsten Sinn des Wortes zur Zeit keine Rolle und wurden nur kurzzeitig für diese Fotosession aus der Schachtel geholt.


Ja, es gibt natürlich auch Seetaler in anderen Spurweiten, aber nicht in meiner Sammlung. Mir sind auch Katalognummern nicht wichtig, darum habe ich hier auch keine aufgelistet.

Samstag, 20. Juni 2020

RjB G3 101

... steht für einen geschlossenen Güterwagen des Typs G3 mit der Nummer 101 der Rjukanbahn in Norwegen.


Vor einigen Monaten konnte ich mir an einer norwegischen Modellbahnbörse das Modell eines G3 der NSB als Kunststoff-Modell von CAD 87 erstehen. Mein Ziel war es daraus das Modell des „RjB G3 101“ umzubauen. Für alle Nietenzähler unter Euch, es ist mir durchaus bewusst, dass das Vorbild des Ausgangsmodells nicht zu 100% dem RjB-Wagen entspricht. Aber was soll’s, Hauptsache der Wagen passt optisch hinter meine RjB-Dieselloks.


Bei meinem letzten Besuch in Kröderen, wo dieser Wagen heute zuhause ist, konnte ich einige Bilder machen, die mir nun bei der Umsetzung meines Plans behilflich waren. Da wäre zum Einen die Farbaufteilung am Wagenkasten, und zum Anderen die Beschriftung.
Hierbei kam mir der Umstand zugute, dass die RjB bei ihren Güterwagen oft die nötigen Angaben auf Blechtafeln beschriftete, die dann auf die Wagenkästen aufgeschraubt wurden.


Somit konnte ich am Vorbild die entsprechende Tafel möglichst verzugsfrei fotografieren, um das Bild dann mit einen bescheidenen Mitteln zu bearbeiten und dann auf einem Laserdrucker in der Grösse passend zu drucken.


Aber dazu später mehr. Zuerst musste ich das Modell zerlegen und den Aufbau von Farbe und Beschriftungen befreien.


Das Zerlegen ging absolut schmerzfrei vonstatten, da das Gehäuse offenbar nur mittels vier Rasternasen am Untergestellt gehalten wird. Das nenn‘ ich doch mal „umbaufreundlich“!


Und auch die Farbe und die Beschriftungen liessen sich mit meiner bevorzugten „Brennspiritus-Methode“ ohne Probleme entfernen.
Die „Brennspiritus-Methode“ geht so: Man füllt ein verschliessbares Gefäss mit frischem Brennspiritus aus der Flasche, legt das Gehäuse hinein und verschliesst das Gefäss.


Nun muss man erst einmal warten. Wie lange, hängt ganz von der Qualität des Brennspiritus ab, denn dieser zieht Wasser aus der Umgebungsluft und je mehr er gezogen hat, um so schlechter wird seine Wirkung als Farblöser. Ausserdem spielt natürlich auch die Farbe eine Rolle. Gewisse Farben lassen sich nach wenigen Minuten entfernen, wie in diesem Fall. Bei anderen dauert es länger, oder es passiert gar nichts. Falls man in der glücklichen Lage ist, auf ein Ultraschallbad zugreifen zu können, kann man den Prozess beschleunigen. Habe ich leider gerade nicht.


Nun kommt das grobe Werkzeug zum Zug: mit einer Zahnbürste und mit Q-Tipps wird der Farbe zu Leibe gerückt! Falls sich nicht alle Farben, bzw. Beschriftungen im ersten Anlauf restlos entfernen lassen, spendiere ich dem Gehäuse einfach nochmals ein Runde Brennspiritus-Bad. 


Vielleicht ist es auch noch nötig, an einigen Stellen mit einem spitzen Gegenstand einige Farbresten herauszukratzen. Ansonsten wäre das Gehäuse jetzt bereit für die Grundierung. 
Vor dem Lackieren ist es wichtig, die Oberflächen gut zu reinigen und öl-, bzw. fettfrei zu machen. Brennspiritus ist übrigens auch ein guter Fett- und Öllöser...


Ich persönlich bin ein grosser Fan der Tamiya-Spraydosen. Die Auswahl der verschiedenen Farbtöne ist leider etwas beschränkt und aus gesundheitlichen Gründen dürfen sie in der Schweiz auch nicht mehr verkauft werden. Aber die Resultate sind meiner Meinung nach sehr überzeugend, und da ich all meine Lackierarbeiten in einer Spraybox mit aktivem Abzug und Filterung vornehme, gehe ich das Risiko ein. Und auch der zusätzlichen Beschaffungsaufwand ist es mir wert, ebenso, wie die Kompromisse, wenn die gewünschten, idealen Farbtöne nicht erhältlich sind.


Nachdem die Grundierung getrocknet ist, was bei den Tamiya-Sprays recht rasch passiert, bringe ich eine erste Schicht der eigentlich Farbe auf. Weniger ist mehr, lieber zwei - drei dünne Schichten aufbringen, als das Modell in einer einzigen, fetten Farbschicht zu ertränken, bzw. zu versauen.


Bei diesem Modell hiess es abkleben, nachdem die zweite Farbschicht getrocknet hat. Wie auf den Vorbildbildern ersichtlich, ist nur das Holzwerk grau; alle Metallteile hingegen sind schwarz gestrichen. Dazu musste ich all jene Flächen abdecken, die jetzt grau sind und auch grau bleiben sollten. Für diese Niffelibüetz habe ich die besten Erfahrungen mit dem dünnen Abdeckband von 3M gemacht, welches in Do-it-yourself-Geschäften erhältlich ist. Tamiya vertreibt ebenfalls Abdeckband; ich wage allerdings zu behaupten, dass dieses exakt jenem von 3M entspricht. Die dünnen Bänder im Millimeterbereich sind äusserst nützlich, wenn man Linien abdecken möchte, sonst ist es mir zu teuer.


Um zu verhindern, dass die neu aufgetragene Farbe unter das Abdeckband fliesst und unschön ausgefranste Kanten hinterlässt, empfiehlt es sich vorher das Ganze nochmals in der Grundfarbe ganz dünn einzunebeln, oder eine Schicht Klarlack darauf zu sprühen. Ich habe das Grau verwendet.


So, nun kommt der spannende Moment! Abdeckband entfernen und schauen ob das Ergebnis den entspricht, was man sich vorgestellt hat. In meinem Fall bin ich recht zufrieden. 


Nachdem ich das ganze Gehäuse noch mit Mattlack überzogen und es auf sein Fahrgestell montiert habe, bin ich mit dem Resultat sehr zufrieden. Jetzt fehlt natürlich noch die Beschriftung. 


Doch diese ist leider noch nicht in der Qualität, in der ich sie mir wünsche. Der Laserdrucker, der mir zur Verfügung steht, ist nicht gut genug. Schade, aber ich hab‘ da schon eine Idee! Also bis bald... 🙂


Der Zeitaufwand? Ein verregneter Sonntag mit Ausschlafen und einem üppigen Frühstück...