Samstag, 26. Oktober 2019

Finkevogn

In Südnorwegen gibt es eine Bahnlinie, die in Nelaug an der Sörlandsbanen, der Verbindung von Oslo nach Kristiansand, nach Arendal abzweigt. Diese rund 37km lange Linie hört auf den Namen Arendalsbanen und war bei ihrer Geburt schmalspurig.
Irgendwann wurde die Arendalsbane auf Normalspur umgenagelt und die Sörlandsbanen elektrifiziert. Jetzt gab es allerdings ein Problem: Die Kurswagen, welche von Oslo nach Arendal durchfuhren, konnten nur bis Nelaug geheizt werden. Die Dieselloks, welche sie für die restlichen 37km übernahmen, hatten keine Heizeinrichtung, und norwegische Winter können bekanntlich kalt sein.
Weil man im Winter den Fahrgästen von Arendal nach Oslo keine Fahrt in Mantel, Schal, Handschuhen und Strickmütze zumuten wollte, musste ein Heizwagen her.


Die deutschen Besatzer im zweiten Weltkrieg „vergassen“ einiges Rollmaterial in Norwegen, u.a. geschlossene Güterwagen der Baureihe „Oppeln“. Einer dieser „Oppeln“ musste nun zum Umbau zum Heizwagen herhalten. Dazu wurde an seinem Äussern und Innern einiges umgebaut. Äusserlich sind sicher die etwas anderen Seitenwände, die Durchgänge an den Stirnseiten und natürlich das Kamin auf dem Dach augenfällig. Im Innern beherbergt er einen grossen Dieselmotor, einen Treibstofftank und ein Generator, der Strom für die Wagenheizung produziert.

Nachdem die Arendalsbane ebenfalls elektrifiziert und die Kurswagen aus dem Angebot gestrichen wurden, kam der Finkevogen zu einer Museumsbahn.

In Norwegen nennt man Heizwagen übrigens „Finkevogen“, ob es daherkommt, dass sich die Fahrgäste im wohligwarmen Zug vögeliwohl fühlen?


So, nun aber zum Modell: da Brawa recht ansehnliche Modelle des „Oppeln“ irgendwo wo im fernen China herstellen lässt, kam bei norwegischen Modellbahnern die logische Idee auf, dieses Modell zu einem heimischen Finkevogen umzubauen. (Das „Ansehnlich“ bezieht sich definitiv nicht auf die Fantasie-Bedruckung meines Ausgangsmodells!)


Weil die Leute in der NSB-Werkstatt ganze Arbeit geleistet haben, musste für die Modellumsetzung auch einiges getan werden. Skaladesign.no entschied sich, dem Modell einen völlig neuen Kasten aus Resinguss zu spendieren, dem man noch mit einigen Ätz- und Kunststoffteile und Farbe ergänzen muss. Vom Brawa-Modell stammen nur Dach und Untergestell.


Weil ich die passenden Personenwagen, wie auch die Lok, die den Zug auf der Arendalsbane zog, in meiner Sammlung habe, wollte ich natürlich einen solchen Wagen. Zusammen mit Kollege K. aus Z. bestellten wir uns zwei dieser Bausätze bei unserem norwegischen Fachhändler des Vertrauens, bei Togbutikken.no . Die Spenderwagen haben wir beim Modellbaustudio Born erstanden, und die Tamiya- Farben - welche in der Schweiz nicht mehr verkauft werden dürfen -  die waren irgendwie zu mir gekommen...
Es war übrigens mein erstes Projekt, mit dem ich erst angefangen habe, nachdem alle Teile vorhanden waren. Und diese Arbeitsweise hat sich gelohnt, so konnte ich am Wagen basteln, wenn ich Lust hatte, ohne auf zusätzliche Teile warten zu müssen.


Der Bau ging eigentlich recht rasch und sehr angenehm vonstatten; der Resinklotz ist sehr präzise und liess sich einfach bearbeiten. Für die meisten anzusetzenden Ätzteile sind schon kleine Löcher am Gehäuse angebracht, oder sie sind so durchdacht geplant, dass sie sich einfach löten lassen. Ich hatte während dem Bau wirklich nie das Verlangen, das Fenster zu öffnen und den Bausatz hinauszuwerfen. Danke Skaladesign.no , dass ihr meine Nerven geschont habt.


Noch eine Premiere im Zusammenhang mit diesem Modell. Es hat die Ehre als erstes in meiner neuen, kleinen Spritzkabine lackiert worden zu sein. Was für eine Wohltat, wenn man nicht entweder auf dem Balkon lackieren muss, oder die ganze Wohnung nach Lösungsmittel riecht. Ich liebe den Fortschritt!
Zum Lackieren habe ich übrigens „Dull Red“ von Tamiya verwendet, dieser Farbton kommt dem NSB-Rot recht nah. Für den Schutzlack habe ich Transparent-Seidenglanz verwendet, würde jetzt aber Transparent-Matt nehmen. Ich habe mir auch die künstlerische Freiheit genommen, Untergestell und Messingteile schwarz zu lassen, bzw. zu brünieren; ganz in Braun hätte der Wagen für mich zu langweilig gewirkt. Und ja, jetzt auf den grossen Bildern sehe ich, dass ich mich nochmals dem Übergang von Dach zu Kasten annehmen muss...


Ich glaube, ich habe beim Bau nur einmal geflucht, dass war, als ich die weissen und gelben Zeichen an den Wagenkanten angebracht habe. Somit kann ich diesen Bausatz folgendes Prädikat verleihen: schönes Modell, nervenschonend. Und auf der weineggbahn‘schen Fluchskala erreicht es zwischen eins und zehn eine Zwei. Somit nur zu empfehlen.

(das erste Bild habe ich aus rool.no geklaut, einer Seite mit wunderbaren Bildern von norwegischen Eisenbahnen, deren Besuch ich nur Finkevogn-wärmstens empfehlen kann. Ich hoffe rool nimmt mir diesen Diebstahl nicht übel.)





Donnerstag, 13. September 2018

Idee!


Da sich noch ein schöner Bausatz für eine Eisenbahnfähre von Artmaster mit passendem Fähranleger in meiner Sammlung der tausend und eins Projekten befindet, überlege ich mir schon seit einiger Zeit, wie denn ein so Fähranleger im Weineggbahn-Stil aussehen könnte. Weineggbahn-Stil bedeutet bekanntlich möglichst kleinbahnig, so wenig Weichen wie möglich, kurze Züge, aber trotzdem möglichst „vorbildgerechten“ Rangierspass.
 


Das derzeitige Resultat meiner diesbezüglichen Hirnschmalzaktivitäten sieht so aus:

-          Dreigleisiger Kopfbahnhof am Wasser mit Zufahrt von links und einem Fähranleger vorne rechts;

-          Die auf der Skizze oberen beiden Gleise 1 und 2 enden mit einem Mittelperron dazwischen vor dem Aufnahmegebäude;

-          Gleis 1 endet links in einem Stumpengleis, Gleis 3 in einem Lokschuppen.

-          Wenn ich vom RocoLine-Raster mit 230mm ausgehe, müsste der Hafenbahnhof auf einer Länge von ca. 3.5 Metern umzusetzen sein.

 


Den Ablauf stelle ich mir so vor:

1.       Die Fähre legt an und eine auf Gleis 2 wartenden Lok zieht die Wagen über die mittlere Weichenverbindung von der Fähre und schiebt sie auf Gleis 2 bis zum Prellbock.

2.       Die Lok holt die wartenden Wagen auf Gleis 1 und rangiert diese über die linke Hälfte von Gleis 2 und die mittlere Weichenverbindung auf die Fähre. Die Fähre wäre anschliessend bereit wieder abzulegen.

3.       Die Lok fährt vor die Wagen auf Gleis 2, kuppelt an und verlässt den Bahnhof.

 
 
Um der Sache noch etwas Würze zu verleihen, können Güterzüge von Personenzügen getrennt werden, einzelne Bahnkurse könnten mit einem Triebwagen gefahren werden, oder gewisse Züge enden im Hafenbahnhof. Zudem könnten  Güter von der linken Seite vom Gleis 3 aus direkt von der Bahn aus in ein Schiff umgeladen werden. Der Güterschuppen könnte auch noch etwas Rangierbewegungen erzeugen.

Auf Rjukanbahn in Südnorwegen, welche ich ja hier schon einige Male erwähnt habe, wurden nur Züge aus Rjukan nach Mæl zur Fähre gesandt, die so viele Wagen umfassten, wie das Fassungsvermögen der Fähre selbst. Diese Idee hatte ich auch bei meiner Idee hier im Hinterkopf, denn so bleibt die Anzahl Abstellgleise bescheiden – eigentlich untypisch für einen Fährbahnhof.

Das Rundherum habe ich mit Dingen geplant, welche schon in meinem langsam überquellenden Fundus vorhanden wären:

-          Fähre und Anleger von Artmaster,

-          Bahnhofsgebäude und Güterschuppen von Laser Creation,

-          Lokschuppen von Togbutikken.


 

Sowenig wie ich weiss, ob ich diese Idee wirklich einmal in die Realität im Massstab 1:87 umsetzte,  so wenig weiss ich, ob ich das Ganze ein Teil der Weineggbahn sein sollte. Würde so etwas im Zusammenhang mit der Weineggbahn überhaupt Sinn machen?  Die Idee der vom Rest des Bahnnetzes nur über eine Fähre erreichbaren Weineggbahn, hätte schon noch etwas für sich. Auch die Idee, dass sowohl Weinegg, als das eine Streckenende, als auch der Hafen als Streckenenden dienen wäre verlockend; ebenso, dass einzig die Fähre mit ihrer beschränkten Kapazität als Ursprung und Ende aller Rangieraktivitäten  dienen könnte, finde ich recht spannend.

Aber dann müsste ich mir überlegen, wo ich Weineggbahn ansiedeln möchte? Auf einer Insel auf einem mitteleuropäischen See, der aber sicher die Grösse des Bodensees haben müsste? Aber warum hat man den umständlichen Fährbetrieb gewählt, statt die Insel über eine Brücke ans Festland anzuschliessen?

Oder spielt das Ganze in Skandinavien? Genau, Rjukanbahn lässt grüssen. Oder eine Insel vor der Küste? In Dänemark gab es übrigens normalspurige Inselbahnen, bei denen sich auf der Insel nur ein Fähranleger mit Bahnhof befand.  Die anschliessende Strecke wurde gar nie gebaut, aber der „Hafenbahnhof“ erfüllte bestens seine Funktion zum Be- und Entladen von Güterwagen. Auf der einen Insel wurde allerdings nur ein Landwirtschaftstraktor zum Verschieben der Wagen verwendet; auf einer anderen war sogar ein eine dänische Köf vorhanden.
 

Aber eben, wie schon geschrieben, zurzeit ist dieses Projekt rein virtueller Natur, Weinegg und seine anschliessenden knapp drei Meter  Strecke haben bei mir erste Priorität.

Trotzdem: was haltet Ihr davon, meine treue Leserschaft? Ich würde mich freuen, wenn von Eurer Seite Meinungen, Ergänzungen, andere Ideen und sonst alles, was Euren Hirnwindungen zum Thema entspringt, beigesteuert würde.  Entweder hier, oder auf Facebook. Für Eure Partizipation möchte ich mich schon einmal bedanken.

 

Donnerstag, 21. September 2017

Kleine Lok sucht neues Zuhause

Ist sie nicht supersüss, diese kleine Lok?
Sie ist noch weitestgehend im Zustand, wie sie 1946 von SLM mit einem Saurer-Dieselmotor ausgeliefert wurde. Zusammen mit zur Zeit zwei Kollegen möchte ich sie vor der Verschrottung retten, aber dazu bräuchten wir einen günstigen Platz, wo wir sie restaurieren können. Ideal wären ca. 15m überdachtes Normalspurgleis, das Gleis muss auch nicht mit dem Netz verbunden sein. Aber auch eine Ecke einer Halle würde uns schon dienen.
Falls jemand von Euch von einen Platz wissen sollte wo wir die Lok abstellen könnten, würde ich mich über eine Mitteilung freuen!


Nein, ich verspreche, dass sie nicht in Weineggbahn-Rot angestrichen wird. ursprünglich war sie einmal grün, und so wird sie wahrscheinlich wieder.